© 2019 by Gianina Ernst

best results

Lillehammer

Datum:

07 Dezember 2013

Schanze:

HS 98 m

Wettkampf:

World Cup

Rang:

2. Rang

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Zurück zu den Anfängen

Ich bin im schönen Engadin in der Schweiz aufgewachsen und hatte eine behütete und sehr schöne Kindheit. 

Schon sehr oft wurde mir die Frage gestellt, wie man denn als Frau zum Skispringen kommt? Hier ist meine Geschichte, wie Skispringen meine Leidenschaft wurde.

Als ich noch kleiner war, fand mein Bruder heraus, dass mein Vater früher ein erfolgreicher Skispringer des deutschen Teams gewesen ist. Daraufhin wollte mein Bruder es meinem Vater gleich tun. Dies war nicht weiter schwierig, da es zwei Dörfer weiter in St. Moritz drei intakte Skisprungschanzen gegeben hatte. So konnte mein Bruder, mit meinem Vater als Trainer, jeden Mittwochnachmittag zum Skispringen gehen. 

In einer so großen Familie wie der unseren, ich habe fünf Geschwister, muss man öfters Kompromisse eingehen. Und so mussten meine Schwester und ich meinen Bruder zum Skispringen begleiten, damit wir nicht alleine zuhause waren.

Für meine Schwester und mich führte das dazu, dass wir aus Langeweile anfingen den Auslauf der kleinen 15-Meter-Schanze mit Alpinski runter zu fahren. Und als uns das dann auch zu unspektakulär wurde, wollten wir dieses Skispringen auch mal ausprobieren. 

Papa gab uns ein paar Skisprungski und einen alten Anzug und dann stapften wir die kleine Schanze hoch. 

Ich kann, soweit ich mich erinnere, nicht sagen, dass ich komplett ohne Angst da oben gestanden wäre, aber ich weiß, dass ich nach dem ersten Sprung nicht mehr genug davon bekommen konnte.

Und so stieg auch ich in das Training meines Vaters mit ein, welcher mittlerweile den ganzen Skiclub trainierte. Meine Schwester hatte sich ebenfalls getraut zu springen, jedoch ist es nur bei ein paar wenigen Sprüngen geblieben, denn sie fand ihre Leidenschaft in der Sportart meiner Mutter, dem Langlaufen.

Später als ich auch in der Wettkampfszene unterwegs war, musste ich, als eine der wenigen Mädchen immer gegen die Jungs springen. Doch das störte mich nicht weiter, ich hatte sogar Gefallen daran, weil ich oft besser war als die meisten Jungs und mir das einen unheimlichen Auftrieb gab. 

Natürlich war auch klar, dass ich irgendwann auf den größeren Schanzen springen müsste, um mich weiter entwickeln zu können.

Meinen ersten Sprung von einer 60-Meter-Schanze machte ich in Gibswil, welches im Zürcher Oberland liegt.

Ich weiß genau noch, wie viel Respekt ich vor dieser Schanze hatte. Doch zum Glück war mein Bruder an meiner Seite. 

Gemeinsam liefen wir die Treppen zum Anlauf hoch und er versicherte mir, dass dieser gar nicht so steil ist, wie er aussieht. Oben angekommen, sollte ich zuerst springen und er würde direkt danach kommen.

So saß ich da auf dem Balken dieser 60-Meter-Schanze und ließ einfach los. 

Und mein Bruder hatte recht behalten, es war halb so schlimm wie ich es mir vorgestellt hatte.

 

Auch bei meinem ersten Sprung von einer 90-Meter-Schanze war mein Bruder an meiner Seite. Dieses Mal allerdings nicht weil ich Angst hatte, sondern weil ich zu klein war. Meinen ersten Sprung von einer 90-Meter-Schanze machte ich in Hinterzarten. Ich freute mich riesig darauf, auch endlich von der großen Schanze zu springen, so wie mein Bruder. Und als es dann so weit war, hielt mich nur eines davon ab, nämlich meine Größe. Ich war damals einfach zu klein, um alleine auf den Balken zu kommen. Nun war ich aber zu diesem Moment ganz alleine auf der Schanze und musste warten bis mein Bruder, welcher gerade gesprungen war, wieder den Anlauf erreichte. Und dann endlich, als mein Bruder wieder oben war und mir auf den Balken geholfen hatte, konnte ich meinen ersten 90-Meter-Sprung machen. Diese 90-Meter- Schanze in Hinterzarten gehört trotz des ungünstigen Starts immer noch zu meinen Lieblingsschanzen. 

 

Skispringen trat in mein Leben und hat es bis heute nicht wieder verlassen.

Nach einer gewissen Zeit musste ich allerdings die Entscheidung treffen, ob ich Skispringen auch wirklich professionell weiterverfolgen wollte. 

Aber diese Entscheidung war für mich nicht schwer, denn schon früh hatte ich mir das Ziel gesetzt, zu den Olympischen Spiele 2014 nach Sochi zu fahren. 

Und um dieses Ziel zu erreichen, hatte ich mich dazu entschlossen, 2013 in das deutsche Nationalteam zu wechseln. Dieser Schritt war mir allerdings nur durch meine Doppelstaatsbürgerschaft möglich. 

Also ging ich mit 14 Jahren auf das Skiinternat Oberstdorf, um meinen Traum wahr werden zu lassen. 
Und diese Entscheidung habe ich nie bereut. Denn schließlich hat sich all das Training gelohnt.

Ich war Teil des Deutschen Olympischen Teams von 2014 in Sochi, als jüngste Olympiateilnehmerin überhaupt. 

Also was kann man dazu noch sagen, außer, dass kein Traum zu groß ist!

Zu meiner Skisprungkarriere gibt es noch viele weitere Geschichten zu erzählen. Diese wirst Du immer wieder auf meinem Blog lesen können

Eure Gianina