• Gianina E.

Einen Ausgleich schaffen...

Wenn man seit klein auf einen Sport betreibt und das Ziel verfolgt dies leistungssportlich zu tun, dann muss man auf einige Sachen verzichten.

Als ich noch jünger war, fiel mir das sehr schwer. Wenn ich Training hatte und deshalb nicht mit meinen Schulfreundinnen etwas unternehmen konnte, war das nicht immer leicht für mich. Später dann, als ich auf‘s Internat kam, musste ich öfter mal das eine oder andere Familientreffen absagen und konnte nicht an allen Geburtstagen meiner Geschwister dabei sein, um diese mit meiner Familie mitzufeiern.

Doch umso mehr habe ich meine Zeit zuhause schätzen gelernt. Ich liebe es zuhause zu sein, vor allem wenn meine Geschwister auch alle zuhause sind. Zusammen mit meinen vier Schwestern und meinem Bruder sind wir eine sehr große Familie und ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen.

Aus diesem Grund genieße ich Weihnachten auch so sehr. Dabei geht es mir nicht um Geschenke oder so etwas, sondern um die gemeinsame Zeit. Als die Jüngste im Bunde werde ich natürlich auch immer mit extra viel Liebe überschüttet.

Familie ist für mich die größte Stütze, sowohl im Sport als auch in all meinen anderen Lebensbereichen. Ich weiß, dass ich mich immer auf sie verlassen kann und dass sie mich immer lieben wird, egal ob ich gut oder schlecht springe.

Diese Tatsache half mir vor allem in der Zeit, als meine Erfolge nach meiner Debüt-Saison nachgelassen haben.

Wenn man, wie ich im Jahr 2014, mit einem zweiten Platz in den Weltcup einsteigt, dann legt man sich selbst großen Druck auf.

Zu dieser Zeit gab es Momente, da hat mir das Springen nicht mehr so viel Spaß gemacht. Ich hatte mich zu stark nur über meinem Sport definiert, was dazu führte, dass sich meine Stimmung nach meinen Ergebnissen richtete.

Das ist der größte Fehler, den man als Sportler machen kann. Denn es stimmt zwar, dass Skispringen meine Leidenschaft ist und auch ein sehr großer Teil meines Lebens, aber es gibt auch noch so viel mehr, was mich ausmacht.

Leider habe ich diese Erkenntnis erst sehr spät für mich entdecken können. Denn es ist auch gar nicht leicht, das einfach so zu glauben, wenn man seit seiner Jugend für diese Ergebnisse trainiert. Ich glaube, um diese Perspektive über sich selbst zu behalten, ist es wichtig, sich neben dem Sport einen Ausgleich zu schaffen. Ich habe das getan. Ich habe nach anderen Leidenschaften gesucht, die sich ganz vom Skispringen abgrenzen und habe mir auch überlegt, was ich in Zukunft beruflich gerne tun möchte. Zum einen habe ich eine weitere Leidenschaft in der Musik gefunden und zum anderen habe ich eine Laufbahnberatung des Olympiastützpunktes in Oberstdorf in Anspruch genommen.


Mittlerweile weiß ich, dass ich eine richtig gute Skispringerin bin, aber auch neben der Schanze sehr viel kann. Und auch wenn ich mit meinen Wettkämpfen nicht immer ganz zufrieden bin, bin ich trotzdem immer mit mir selbst zufrieden.

Ich bin sehr dankbar, dass ich eine so unterstützende Familie habe, die mich auch dazu herausfordert, an mir selbst zu arbeiten und immer wieder neue Gaben in meinem Leben zu entdecken.

Ich wünsche mir, dass Ihr ebenfalls eine solche Familie um euch habt.

Und Ihr mit Eurer Familie einen schönen Sonntag genießen dürft.

Eure

Gianina


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© 2019 by Gianina Ernst